Rumi Zitat

Wir suchen das, was uns fehlt, zunehmend in anderen Kulturen. Die Rezeptionsgeschichte von Rumi ist nur ein Beispiel dafür. „Zeige dich, wie du bist oder sei, wie du dich zeigst“ – Rumis Worte berühren und haben scheinbar nichts an Aktualität eingebüßt. So allgegenwärtig, verdient der Kontext seiner Worte aufrichtiges Interesse. Also: wer ist der Mann hinter den „Motivational Quotes“?

Maulana Dschelaleddin Rumi war ein persischer Gelehrter. Als Mystiker, Philosoph und Dichter berührte er mit seinem Denken nicht nur islamische Poeten und Denker seiner Generation. Seine Lieder und Gedichte beeinflussten auch die Türkische, Indische und Iranische Folklore und wirken bis heute. Obwohl zutiefst überzeugt vom islamischen Glauben und dessen Tiefe schloss er sich dem Sufismus an, welcher den Koran zwar ebenfalls als Dreh- und Angelpunkt seiner Lehren betrachtet, aber vor allem ein spiritueller Weg ist.

Das Ziel des Sufismus ist Verbindung mit etwas Höherem

Das Ziel der An- und Verbindung mit etwas Höherem erklärt, warum Rumi vor allem bei Yogis so beliebt ist. Es zeigt aber auch, dass die meisten Wege und Religionen, so unterschiedlich diese auch sind, ein gemeinsames Ziel haben: Glückseligkeit, Auflösung und Verbindung.

Die Rituale des Sufismus

Der Sufismus beinhaltet einerseits Rituale, bei denen rhythmisch und repetitiv- ekstatisch getanzt wird, andererseits aber auch asketische und schmerzhafte Rituale. Es gibt sehr viele fragmentierte Orden, welche alle andere Rituale haben. Man sagt, dass Rumi den wirbelnden Tanz geprägt hat, welcher heute dem Mevlevis-Orden zugeschrieben wird. Hier habe ich euch ein Video dazu verlinkt. Auch im Yoga gibt es die „Sufi-Kreise“. Die Übung, bei der du im Rhythmus deines Atems Kreise mit deinem Oberkörper ziehst, so als würdest du um deine eigene Wirbelsäule kreisen, verdeutlicht die sanfte Seite des Sufismus. Anders als in Oshos exzessiven dynamischen Meditationen (die ich auch liebe), entsteht Meditation hier aus harmonischen Rhythmen.

Rumis Werk

Der Religionswissenschaftler Andrew Harvey setzt sich intensiv mit Rumis Lehren auseinander und liefert spannende Impulse für die Rezeption Rumis. Das Bedeutenste Werk Rumis ist sein eigener Weg. Sein Leben, so scheint es, war die Vorlage für alle Lieder, Gedichte und Oden. Seine Authentizität – das ist die Erklärung für seinen Erfolg bis in das 21. Jahrhundert. Er durchlebte die Schattenseiten seines Daseins konsequent um zu wachsen. Rumi kannte die Tiefe und den Schmerz, den das Verfolgen eines Weges, egal ob spirituell oder nicht, einem abverlangt.


„Viele Dinge schenkt einem das Leben, Unendlichkeit aber erreicht man nur über Mühe und Drangsal.“ (Yasar Nuri Öztürk, S. 10 (2000))

Seine Gedichte und Lieder sind nährend und voller Liebe, aber auch die Tiefe seiner Worte, basierend auf den Erfahrungen, die er auf seinem Weg gemacht hat, ist immer spürbar. Durch sein kontroverses Verhältnis zu seinem Lehrer und Geliebten Scham durchlebte Rumi das Leben mit jeder Faser seines Daseins. Dazu gehörte Schmerz genauso wie Freude, Liebe, das Gefühl des Einsseins.

„Komm‘, komm‘, wer immer du bist,
Wanderer, Götzenanbeter.
Du, der du den Abschied liebst.
Es spielt keine Rolle.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Komm‘, auch wenn du deinen Schwur tausendfach gebrochen hast.
Komm‘, komm‘, noch einmal komm‘.“

Quellen:

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