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Was ist Nervensystemregulation NICHT?

By April 25, 2023 No Comments
Nervensystem regulieren das bedeutet es nicht

Nervensystemregulation hat nichts mit Selbstreglementierung zu tun. In diesem Artikel möchte ich mit dir teilen, was Selbstregulation NICHT ist.

Selbstregulation ist die Fähigkeit unseres autonomen Nervensystems, fließend zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln. Es ist ein natürlicher und automatischer Prozess, der unter anderem dabei hilft, unsere Gefühle und Gedanken in Balance zu halten und angemessen auf Impulse zu reagieren. Akuter Stress oder Trauma kann die Selbstregulation beeinträchtigen und zu chronischer innerer Anspannung oder Antriebslosigkeit führen.

Im Gegensatz dazu bedeutet Selbstreglementierung oder Selbstdisziplin, dass du deine Gefühle und Gedanken aktiv unter Kontrolle hältst oder unterdrückst, oft mithilfe von Willenskraft. Diese Herangehensweise kann eher zu Vermeidung und Verdrängung führen, anstatt eine gesunde Selbstregulationsfähigkeit zu fördern. Solche Dynamiken sind nicht immer offensichtlich. Wenn du zum Beispiel Angst vor deinen eigenen Gefühlen, oder konkret Angst vor der Angst hast und diese „Angst vor …“ durch Körperarbeit, Meditation oder Sport regulieren möchtest, dann spüre nochmal in dich hinein: Wenn du merkst, dass du nicht gut mit dem sein kannst, was da ist, dann suche dir Unterstützung. So kannst du dein Innenleben mit einer fachkundigen Person erkunden und musst es nicht weiter unterdrücken. Denn das ist, als würden wir einen Ball immer wieder unter Wasser drücken wollen. Das ist wahnsinnig anstrengend. Und der Ball aka unsere Emotionen? Kommen früher oder später immer wieder an die Oberfläche.


Wie kann Selbstregulation auf gesunde Weise gelingen?

Um die Selbstregulation auf gesunde und wohltuende Weise zu fördern, können folgende Ansätze hilfreich sein:

Faustregel: so viel wie nötig, so wenig wie möglich: Dein Körper will sich entspannen. Und es ist wunderbar, wenn du ihm dabei hilfst! Vertraue auf die Selbstregulationsfähigkeit deines Körpers, nachdem du den Ball ins Rollen gebracht hast. Ich habe schon oft erlebt, wie sehr selbst-diszipliniertes Meditieren, Atmen, Yoga machen und Co. eben nicht in der gewünschten Lebendigkeit resultiert. Weil wir uns selber so viel Druck machen.


Achtsamkeit und Wohlwollen: Übe Achtsamkeit und Wohlwollen gegenüber deinem eigenen Sein und schaffe einen sicheren Rahmen für deine Gefühle und Emotionen, ohne sie zu unterdrücken oder wegzuschieben.

Körperarbeit und Atmung: Weil du über den Körper Zugriff auf unser autonomes Nervensystem hast, kannst du dir durch Körperarbeit helfen, dein Nervensystem wieder in einen fließenden Wechsel von An- zu Entspannung zu bringen. Wichtig ist: Selbstregulation ist nichts, was du tust. Es ist etwas, was dein Nervensystem tut. Es geht nicht darum, deine Emotionen oder Empfindungen „wegzuregulieren“. Vielmehr kannst du lernen, wie du deinem Nervensystem signale für Sicherheit und Verbindung schenkst, sodass es seinem ursprünglichen Fließen zwischen An- und Entspannung wieder folgen kann.

Grenzen erkennen und Unterstützung suchen: Du kannst bestimmte Dinge nicht tun, ohne dich selbst zu beruhigen wie z. B. Bahn fahren? Es entsteht immer und immer wieder eine Unruhe in dir. Atmen, Selbstmassage und Meditationen helfen dir kurzfristig, aber nicht langfristig? Ich weiß, das hört niemand gern, aber: In solchen Fällen empfehle ich dir, zusätzlich eine Therapie zu machen. Das ist nichts Schlechtes, sondern etwas sehr selbst fürsorgliches.


Fazit


Während Selbstregulation ein natürlicher Prozess des Nervensystems ist, hat Selbstreglementierung oder Selbstdisziplin eher mit dem Unterdrücken von Emotionen und Gedanken zu tun. Um die Selbstregulation auf gesunde Weise zu fördern, sollten wir achtsam und wohlwollend mit unseren Emotionen und Gedanken umgehen, Körperarbeit nutzen und bei Bedarf professionelle Hilfe suchen.

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